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Vor einem halben Jahrtausend: NATIVITAS VLRICHI HVTTENI

Verfasst von Urs Scheidegger |

Ein halbes Millennium ist es nun her, seit ein Mann geboren wurde, der durch die Zeitläufte meandernd seine Spuren im Guten wie im Schlechten hinterliess: Ulrich von Hutten.

Vlrichus Hvttenvs alias Vlricvs Hvttensis erblickte am 21. April 1488 auf Burg Steckelberg bei Schlüchtern das Licht der Welt; gestorben ist er am 29. August 1523 auf der Insel Ufenau im Zürichsee. Er hinterliess seine Spuren in Deutschland, Österreich, Italien und in der Schweiz –  als (Reichs)ritter, poeta laureatus, Kirchenkritiker und Renaissance-Mensch mit Hang zum Humanismus. Huttens Lebensweg nahm spätestens nach seinem persönlichen «Pfaffenkrieg» und nach der Flucht in die Schweiz eine abrupte Wende, als er wider Erwarten nicht bei seinem einstigen Lehrer Desiderius Erasmus von Rotterdam in Basel, wohl aber bei Huldrych Zwingli in Zürich Unterschlupf fand. Zwingli war dafür besorgt, dass Hutten bei einem Pfarrer auf der Ufenau im oberen Zürichsee unterkam, einer Insel, die seit dem Jahre 965 (bis heute) zum Kloster Einsiedeln gehört. Auf der Ufenau wurde Hutten neben der Kirche St. Peter und Paul beigesetzt, nachdem er am 29. August 1523 an Siphilis gestorben war. An der Siphilis litt Hutten eigenen Angaben zufolge seit 1508, wie in «De Guaiaci medicina et morbo Gallico liber unus» (von Hutten 1524; Böcking 1861, 399-497) nachzulesen ist.
Das Bedürfnis, Ulrich von Hutten ein Denkmal zu widmen, hat Dichter wie Künstler inspiriert.
300 Jahre nach seinem Tod gelangte Hutten insofern prominent ins Bewusstsein, als im Soge patriotischer Begeisterung im deutschen Bürgertum nach dem Sieg über Napoleon Caspar David Friedrich in den Jahren 1823/1824 Huttens Grab malte – eine durch und durch malerische Fiktion zwiespältiger Intention.
Zur Wiederbelebung Huttens trugen auch Autoren wie Gottfried Keller mit seinem Gedicht «Ufenau» (1858), einer Huldigung Huttens als Freiheitskämpfer, und vor allem Conrad Ferdinand Meyer mit dem Gedichtzyklus «Huttens letzte Tage» bei. Die Hutten-Verehrung gipfelte 1888 in der Gründung eines «Ulrich-von Hutten-Bundes» an der Universität Zürich.

Exakt ein Säkulum nach Kellers «Ufenau»-Gedicht kam Hutten wieder ins Gespräch. 1958 wurde bei Restaurierungsarbeiten an der Kirche ein Stein mit der Inschrift HVTTENVS und in dessen Nähe ein Skelett entdeckt, das aber keine der syphilitischen Knochenveränderungen aufwies. Der historische Fundort wurde 1968 nochmals systematisch gecheckt und siehe da: ein zweites Skelett mit Spuren siphilitischen Ursprungs wurde entdeckt. Die Skelettreste wurden 1970 gemeinsam mit dem ersten Skelett unter einer neuen Grabplatte beigesetzt.
Wenn man so will, hat Hutten selbst auf der Kehrseite des Globus seine Spuren hinterlassen: «Die Luft der Freiheit weht», das Motto der Stanford University aus dem Jahr 1891, stammt aus Huttens Invektiven.
Und nicht zu übersehen die Gedenkmarke, welche die Deutsche Bundespost zum 500. Geburtstag Huttens 1988 herausgibt.

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Insel Ufenau mit Kirche St. Peter und Paul.
Insel Ufenau mit Kirche St. Peter und Paul.
In Stein gemeisselt: HVTTENVS
In Stein gemeisselt: HVTTENVS
Huttens Grab von Caspar David Friedrich in den Jahren 1823/1824 gemalt.
Huttens Grab von Caspar David Friedrich in den Jahren 1823/1824 gemalt.
Gedenkmarke der Deutschen Bundespost zum 500. Geburtstag Huttens.
Gedenkmarke der Deutschen Bundespost zum 500. Geburtstag Huttens.

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