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Gärtner – innen und aussen: Antwort auf einen Artikel in der Solothurner Zeitung

Verfasst von Urs Scheidegger |

Duden schafft generisches Maskulinum ab: Es leben die Gärtnerinnen! Ausgabe vom 13. Januar 2021

Eigentlich sollte sich das Gestürm beruhigt haben, seit sich herumgesprochen hat, dass Schriftgelehrte vor über 200 Jahren insofern unglück lich agierten, als sie das grammatische Geschlecht unbedacht bedenklich nah ans biologische rückten. Und das noch vor der Zeit, als old-school «Indogermanisch» neuzeitlich durch «Indoeuropäisch» ersetzt wurde, weil in der grossen Familie von über 200 Sprachen einige Untergruppen (romanisch, slawisch) ausgeschlossen blieben. Überhaupt scheint das Gender-Gedöns ein Problem genuin germanischer Natur zu sein, zumal vor einem Vierteljahrhundert deutschsprachige Institutionen sich proaktiv ins Zeug legten (Rechtschreibreform) und sich seitdem grammatikalisch verhaken zwischen Präskription und Deskription. Romanische und diverse andere Sprachen, die immerhin zwei grammatische Nominalkategorien (maskulin/feminin) nahe am biologischen Geschlecht mitvererbt bekamen, sehen weder Diskussionsdrang geschweige denn Aktionsbedarf. Erst recht keiner Rede wert sind Gender-Fragen im Swahili mit seinen neun Nominal-Kategorien (einschliesslich Tier- und Pflanzenwelt).
Eigentlich sollten wir Deutschsprachigen uns damit zufrieden geben, solange es noch Gärtner gibt – innen oder aussen.
Urs Scheidegger, Luterbach

Original Leserbrief

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