Home | News | Suchen | Archiv | Sprachriff | Impressum

Archiv Artikel - Essays - Sprachriff

Radschlag oder Ratschlag - Wie man Kater los wird… oder auch zusammenführt

Verfasst von Urs Scheidegger |

Das Wort Kater hat die eine oder andere Zeitreise hinter sich. Die eine führt ins 19., eine andere ins 9 Jahrhundet zurück. Und da wäre neben dem Gestiefelten auch noch der Muskelkater, jene Mucki-Verhärtung, die sich als schmerzhaft erweisen kann. Scherzhaft kann die Reise jetzt weitergehen…

Redner: «…nicht allzu selten werden Leute den Kater durch überfahren los…»
Gegenredner: «…es gibt auch Kater, die man gerne loswerden möchte - weniger durch Rad- als vielmehr durch Ratschlag…»
Mitredner: «…Ratschlag statt Radschlag, um Kater loszuwerden? Da hilft nur eines todsicher: jeweils am Vorabend nichts trinken…»

Das Wort Kater für die männliche Hauskatze (in der Jägersprache auch für das Männchen der Wildkatze und des Luchses) ist ein Maskulinum, dessen etymologische Wurzeln im Dunkeln liegen. Die Ursprünge werden oft in Zusammenhang mit dem Wort «Katze» und dem griechischen κάττος oder keltischen «cait» gebracht. im germanischen Zweig führt eine Spur vom althochdeutschen kataro (9. Jh.), über das mittelhochdeutsche kater(e), mittelniederdeutsche kāter, mittelniederländische cāter(e), niederländische kater, hin zum englischen to caterwaul (miauen, schreien).
Während es sich beim Kater (als Haustier) um ein uraltes westgermanisches Wort aus dem 9. Jahrhundert handelt, (das sich bis in die Antike zurückverfolgen lässt,) führt der medizinische Bewusstseinszustand namens Kater ins 19. Jahrhundert zurück. Genauer ins Jahr 1768, wo der «Katzenjammer» andeutungsweise als Bezeichnung für die Nachwirkungen des Rausches in Christian August Wichmanns Antikritikus belegt ist: «Es giebt eine Krankheit des Leibes, die zuweilen unglückliche Menschen mit den Katzen gemein haben und die deswegen der Katzenjammer genannt wird […]» (Friedrich Kluge, Deutsche Studentensprache, Strassburg 1895). In ihrem Deutschen Wörterbuch, Leipzig 1854, weisen die Brüder Grimm darauf hin, dass dieses «neuere […] wort» zunächst das Jammern einer Katze in der Laufzeit bezeichnet hatte, anschliessend übertragen wurde auf das üble Gefühl eines Hörers jämmerlicher Musik und schliesslich «von dem üblen zustande nach ausgeschlafenem rausche, weiter auch milder von der angegriffenheit nach einem rauschenden vergnügen überhaupt, oder nach jedem tollen treiben» zeugte.
Obwohl im Englischen auch die Wörter «hangover» und «depression» existieren, hat sich das Wort «Katzenjammer» zu einem beliebten, im «Oxford English Dictionary» verzeichneten Synonym gemausert.

In der Literatur wurde der Kater-Begriff durch Schriftsteller wie Görres, Eichendorff und Brentano eingeführt (vgl. Röhrich, Grosses Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten), und so findet er sich beispielsweise bereits in Brentanos «Die Gründung Prags» (1814) oder bei Goethe im «West-östlichen Divan» (1819). Heinz Küpper (Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache) gibt den Entstehungszeitraum für die Mitte des 18. Jahrhunderts an und verweist wiederum auf die Studentensprache, die das Wort aus dem Begriff Kotzenjammer («das Erbrechen begleitende Jammern») entstellt und als Euphemismus gebraucht haben soll. Belege für diese Vermutung gibt es indes nicht.

Der Tag danach anno 1853

Eines der bekannteren Gemälde der Düsseldorfer Malerschule ist jenes von Ludwig Knaus aus dem Jahr 1853. Die nachgerade fotorealistische Darstellung eines Saufgelages am Tage danach – Titel: «Der Morgen nach der Feier» oder auch «Der Morgen nach der Kirchweih» – besticht durch atmosphärische Dichte und hintersinnige Süffisanz gleichermassen. An Aufwand wurde nicht gespart. So soll Ludwig Knaus (1829–1910) Kisten voller Klamotten nach Paris beordert haben, um seinen Figuren grössere Authentizität verleihen zu können. Das Originalgemälde befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau.

 

Jahre entfernt, doch im Kater vereint: Mietze-Katze-Projektion 1986 auf Knaus' «Der Morgen nach der Feier» von 1853. (Illustration: us)
Jahre entfernt, doch im Kater vereint: Mietze-Katze-Projektion 1986 auf Knaus' «Der Morgen nach der Feier» von 1853. (Illustration: us)

Archiv  | © Urs Scheidegger 1995 - 2026 | urs.scheidegger.4542@bluewin.ch

***
 | Aktuell online: Besucher
heute: Besucher  *|* Besucher gesamt: