Seit mehr als einem halben Millennium, nahezu so lange, wie Bücher gedruckt werden, gibt es das Exlibris, auch Bucheignerzeichen, Bücherzeichen oder Buchmarke genannt. Das sind jene kleinen graphischen Blätter, die in grösserer Zahl gedruckt werden, um – in Büchern eingeklebt - das Eigentumsrecht an einzelnen Exemplaren oder ganzen Bibliotheken zu markieren. Der lateinische Ausdruck «ex libris» («aus den Büchern» oder «aus der Bücherei von…»), der meist dem Eignernamen voran steht, hat der ganzen kleingraphischen (Kunst-)Gattung den Namen verliehen.
Zahlreiche Texte über Exlibris-Künstlerinnen und -Künstler sind dem Mitteilungsblatt «Ex Libris Bucheignerzeichen» zu entnehmen, das von 1972 bis 1989 erschien. 1990 wurde es abgelöst durch das Vereinsorgan «SELC-Express». Seither veröffentlicht der Club Jahresgaben, die ab 2004 den Charakter von Werkverzeichnissen über bedeutende Exlibris-Kunstschaffende angenommen haben.
Ex Libris: Der Club von 1947 bis 2016
1947 war literarisch gesehen insofern ein bemerkenswertes Jahr, als nicht nur die Gruppe 47, sondern auch der Buchclub Ex Libris gegründet wurde. Für eben diesen Club, dessen Mitgliederzahl bis 1955 auf 65000 anstieg, interessierte sich bereits 1950 Gottlieb Duttweiler. Wenig verwunderlich, dass lediglich ein Jahr darauf die Migros unter der Geschäftsleitung von Franz Lamprecht die Ex Libris komplett übernommen hat.
Ex libis in der Einsiedler Matura-Broschüre 1973
«Auch wenn das Studenten-Budget nicht so gross ist, sollte sich doch keiner in bezug auf Literatur und Musik einschränken müssen. Das ist auch gar nicht notwendig. Sie wissen doch: Bücher, Schallplatten, Plattenspieler, Radios, Kassetten-Recorders und Stereo-Anlagen sind viel günstiger bei exlibis…» So steht's geschrieben im Inserat der Einsiedler Matura-Broschüre 1973, womit Ex Libris mit den 17 erwähnten damaligen Standorten auch gleich Sinn und Zweck der Verlagstätigkeit kommuniziert hatte. Das Angebot bestand damals hauptsächlich aus Lizenzausgaben der wichtigsten Verlage des deutschsprachigen Raums. Neben Literatur umfasste es auch Kunst, Geschichte, Soziologie und Jugendliteratur. Des weiteren lancierte Ex Libris eine sogenannte «ch-Reihe» mit Titeln junger Schweizer Autoren, die dem Kulturaustausch und der Stärkung des Zusammenhalts der vier Landesteile dienen sollte. In der von Charles Linsmayer betreuten Reihe «Frühling der Gegenwart» (1979-83) brachte der Verlag in 30 Bänden Neuauflagen von Schweizer Romanen und Erzählungen von 1890-1950 heraus. Der Grammoclub bot neben zugehörigen Abspielgeräten ein umfassendes Programm klassischer Musik, ausserdem Märchen und Hörspiele in Mundart für Kinder. Als weiterer Zweig wurde die Kunstkreis AG angegliedert (Reproduktionen, später auch Original-Lithografien). Die Vielzahl der Aktivitäten war lange Zeit durch das Migros-Kulturprozent unterstützt worden.
Der Buchclub, der 1982 über 650000 Mitglieder zählte, war sowohl im Buchhandel als auch als Verlag tätig. Ab Mitte der 1980er Jahre geriet das Unternehmen in eine Krise und gab seine Verlagstätigkeit auf. Danach profilierte sich die Ex Libris als Discountgeschäft für Bücher, CDs und Videos. Über hundert Filialen - der erste Ex Libris Buchladen wurde am 2. September 1950 unter dem Namen «Ex Libris Bücherstube» in der Migros Klubschule eröffnet - wuchsen im Verlauf der Jahrzehnte heran, bis sich Ex Libris ab 2010 zur grössten Online-Buchhandluch der Schweiz mauserte.
Ex Libris beschäftigte per 1. Januar 2016 insgesamt 364 Mitarbeiter und verfügte in der deutschen Schweiz über ein Netz von 78 Filialen. Als grösster Schweizer Online-Shop für Bücher, Musik, Filme, Games und Electronics bietet die Migros-Tochter ein multimediales Vollsortiment von mehr als 6 Mio. Artikeln, hinzu kommen über 10 Mio. digitale Produkte zum Download. Jeden Monat besuchen über eine Million Kunden den Online-Shop www.exlibris.ch via Internet oder Shopping App. Kein Wunder, dass Ex Libris im Mai 2016 zum besten Online-Shop der Schweiz gekürt wurde.
Daniel Röthlin, Unternehmensleiter Ex Libris, dazu: «Eine solche Leistung gelingt nur, wenn alle Mitarbeiter am gleichen Strick ziehen…» Strang würde genügen und wäre richtiger. Damit trifft die Strick/Strang-Metaphorik das gleiche Schicksal wie vieles andere auch: man muss es nur oft genug falsch sagen, irgendwann wird's dann schon richtig. Beispiele solch pleonastischer Natur gibt's zuhauf: Pulsschlag, stillschweigend, Fusspedal, Düsenjet, klammheimlich, La-Ola-Welle, letztendlich, aufoktroyieren, Rückantwort, Vorankündigung, Windböe, zeitverzögert, einzigste, Zukunftsprognose und der allerliebste Liebling aller Liebsten: vorprogrammiert…


