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Wort-Funde auf Buch-Suche – schlimmer als die Nadel im Heuhaufen

Verfasst von Urs Scheidegger |

Wann ist ein Buch ein Buch? Laut UNESCO sind Bücher Publikationen mit einem Umfang von rund 50 Seiten und mehr. Die Definition stammt aus einer Zeit, als man in der anschwellenden Produktion von Printware den Überblick zu wahren versuchte. Was aber ist mit all den Schriftzeugnissen, bevor (Buch)seiten gedruckt wurden? Die Buch-Suche im Raum-Zeit-Kontinuum kommt einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich. Schlimmer noch.

Bevor die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen beginnen kann, sollte man wissen, in welchem Haufen man suchen soll – und wo er sich befindet. So ähnlich bei der Frage nach dem Wesen des Buches. Eine erstaunlich konkrete Orientierungshilfe lieferte die UNESCO bereits 1964. Damals wurden Bücher als «nichtperiodische Publikationen mit einem Umfang von 49 Seiten oder mehr» erstaunlich träf verortet. Was aber ist mit all den gerollten, gestapelten, gefalteten oder gehefteten Info-Trägern, bevor (Buch)seiten gedruck und gebunden wurden? 
Denn ein Buch (altgr. βιβλίον; lat. liber; goth. bôka; ahd. puoh; mhd. buoch) ist nach traditionellem Verständnis eine Blatt-Sammlung aus Papier oder anderen Materialien. Diese Bündel bedruckter, beschriebener, bemalter oder auch leerer Blatt-Sammlungen sind heute überwiegend mit einer Bindung versehen, wurden früher auch schon mal mit (schweine)ledernen Einbänden (Umschlägen) gedeckelt. (Daher die umgangssprach-scherzhaften Bezeichnungen «Schinken» oder «Schwarte».) 

Was aber ist mit den Büchern in gerollter Form, zumal allein im antiken Rom Buchrollen mit griechischen und lateinischen Texten seit dem 3./2. Jahrhundert v. Chr. verbreitet waren und die Papyrusrolle bis in das 2. Jahrhundert n. Chr. die vorherrschende Buchform blieb? Was ist mit der Duenos-Inschrift (6. Jh. v. Chr.) auf drei miteinander verbundenen Tonscherben? Was mit der Fibula Praenestina, einer Gewandnadel aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr.? Was - um 600 v. Chr. - mit einer der ältesten bekannten Inschriften in archaischem Latein, dem Lapis Niger, gefunden auf dem Forum Romanum? 
Dann auch noch dies: Neben den «gerollten Büchern» gab es bereits seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in Griechenland Frühformen diverser Kodices. Sie bestanden, wie von bildlichen Darstellungen (zum Beispiel Schreiberstatuen von der Athener Akropolis) bekannt ist, aus zusammengehefteten, manchmal gewachsten Holztäfelchen. Diese Holztafelkodizes blieben in Form von sogenannten Diptycha (auch Triptycha oder Polyptycha) während der gesamten römischen Antike für verschiedene Zwecke in Gebrauch. 

Den Anfang der lateinischen Literatur markieren im 3. Jh. v. Chr. die Fragmente der Odyssee-Übersetzung «Odusia» von Lucius Livius Andronicus. Die ältesten erhaltenen lateinischen Manuskripte indess stammen aus der Spätantike (4. bis 5. Jahrhundert n. Chr.), primär als biblische Texte: so die  Vetus Latina Handschriften (ab 4. Jh. n. Chr.), der Codex Vercellensis oder der Codex Bobiensis. Die Vulgata, eine spätere und einflussreichere Bibelübersetzung, ist im Codex Amiatinus (frühes 8. Jh.) als älteste vollständige Abschrift erhalten. 
Mit dem Ende der Antike kam es nicht nur zu einem Einbruch der Produktion neuer Bücher, sondern auch – mindestens teilweise bedingt durch verringerte Anzahlen an Kopien existierender Werke – zu einem Bruch in der Überlieferung, den Bücherverlusten in der Spätantike. 

Mit dem Ende der Antike kam es nicht nur zu einem Einbruch der Produktion neuer Bücher, sondern auch – mindestens teilweise bedingt durch verringerte Anzahlen an Kopien existierender Werke – zu einem Bruch in der Überlieferung, den Bücherverlusten in der Spätantike

Wahre Schätze warenmässig verwalten

In neuhochdeutschen Zeiten grassierten abgeschlossene Druckschriften zuhauf. Mit der wachsenden Menge an Druckerzeugnissen drängsten sich spätestens Mitte der 1960-er Jahre Überlegungen auf, wie die wahren Schätze warenmässig effizient zu erfassen wären. Im deutschsprachigen Raum trat «Mr. ISBN»  Hans Jürgen Ehlers in Erscheinung, während sich in England die London School of Economics and Political Science (LSE) Gedanken über eine eindeutige, internationale Identifikationsmöglichkeit der anschwellenden Bücher-Mengen machte. 

ISBN erblickte das Licht der Welt und steht für Internationale Standard Buchnummer. Die Nummer wurde in den 60er Jahren mit 10 Ziffern (ISBN-10) eingeführt. Die Internationale Standardbuchnummer (ISBN) tauchte in der Schweiz, gemeinsam im deutschsprachigen Raum, Anfang der 1970er Jahre auf mit dem Ziel, Bücher eindeutig zu identifizieren. Am 01. Januar 2007 folgte die ISBN-13.

Seitdem erolgt dieISBN-Vergabe national. In der Schweiz können ISBNs unter anderem über den Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV) bezogen werden, so www.sbvv.ch.  In Deutschland ist es die ISBN Agentur in der MVB GmbH. 

Nachträge:

Liste der bestverkauften Bücher

Liste der ältesten Bücher

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