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Bum-bum-bum: Der Kuoni geht um…

… und mit ihm jede Menge Gerüchte, deren Verbreitung bis heute nicht abreisst. In schöner Regelmässigkeit tauchen sie am Jurasüdfuss aus dem Nebel der Vergangenheit auf. Und weil die Geschichten auf Schloss Neu-Bechburg so schaurig schön sind, wollen wir hier die eine oder andere zum Leben erwecken bzw. am Leben erhalten.
Ja, der Kuoni. «Niemand war zu seinen Lebzeiten vor ihm sicher. Männern und Frauen stellte er nach, und viel unschuldiges Blut klebte an seinen Fingern», weiss die Solothurner Sagensammlerin Elisabeth Pfluger mahnend den Finger zu erheben, um postwendend zu beruhigen: «Aber auch ihn erreichte der Arm der Gerechtigkeit.»  
Den «Arm der Gerechtigkeit» spielte in diesem Fall kein geringerer als Gott, der dem armen Kuoni – dem «unersättlichen Kerl der Schrecken vieler Jungfrauen und rechtschaffener Bürger», dem schändlichen Raubritter aus dem Geschlecht der Freiherren von Bechburg – die Beulenpest auf den Leib schickte. Nun ja, eigentlich nichts Besonderes angesichts des Umstandes, dass der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert allgegenwärtig war und einen Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Wenn das Unheil mit einer solchen Wucht hereinbricht und niemand eine rationale Erklärung hat, müssen Schuldige her. Und die sind meistens schnell zur Hand – das war früher nicht anders als heute. Gott straft sofort. Und die Angst, sich beim Raubritter anzustecken, muss dermassen gross gewesen sein, dass man ihn «bei lebendigem Liib» in das Kabäuschen an der Südseite des runden Wehrturms einmauerte. Niemand sollte je wieder mit ihm in Berührung kommen. Und so starb der Kuoni denn eingemauert den Tod eines einsamen Aussätzigen. Nach seinem Hinschied wurde auch noch der einzig verbliebene Spalt zur Aussenwelt zugemauert, durch den ihm zu Lebzeiten die Knechte Essen und Trinken reichten.
In Elisabeth Pflugers «Solothurner Geistersagen» ist nachzulesen: «Die Seele des bösen Ritters hat aber bis heute noch keine Ruhe gefunden und geistert während gewissen Nächten in der Bechburg herum». Das wollte in den 1980er Jahren die Denkmalpflege genauer wissen und stieg dem tür- und fensterlosen Kuoni-Häuschen mit Werkzeug aufs Dach. Aber oha lätz – Was sich öffnete, war der Himmel: Der liess Hagel und Donner niederfahren samt Blitz, der zu allem Elend auch noch mitten in den Wehrturm einschlug. Danach war Ruhe … Bis 2002, als sich ein Team von «Menschen, Technik, Wissenschaft» des Schweizer Fernsehens mit Röntgen-Gerät an der Neu-Bechburg zu schaffen machte. Kuonis Odem war stärker. Jedenfalls sollen die Apparate des neuen Jahrtausends ihren Geist ausgehaucht haben. Und die Kameraleute zogen unverrichteter Dinge von dannen. Bum, bum, bum, Kuoni durfte weiter poltern. So auch 2003, als Schlosswart Patrick Jakob über das Geschehen in der Bechburg wachte. Er will den Raubritter auch schon im Studierzimmer herumgehen gehört haben, als er einmal abends allein in der Küche sass. Verschreckt rannte er hinauf, aber niemand war zu sehen. Es könnten auch die Dohlen gewesen sein, die sich auf der Burg eingenistet haben.
Ach ja, da sind auch noch zwei Geschichten jüngeren Datums: «Ritter Kuoni – wenn es auf der Bechburg poltert». Das Theaterstück von Christoph Schwager-Uhlmann wurde 2011 von den Gäuer Spielleuten auf der Heubühne in Härkingen uraufgeführt. Bereits 2009 gab es vom gleichen Autor mit «Raubritter Kuoni» eine musikalische Geisterreise, uraufgeführt im Bienkensaal in Oensingen.
Und heute? «Im Schatten der Burg – Leben wie vor 500 Jahren» liess sich bislang trotz Trubel auf der Burgzinne nichts Geister-, geschweige denn Kuonihaftes aufscheuchen. Es sei denn… Na ja, da wäre doch noch etwas, das eingefleischte Geisterjäger nicht so gerne hören: Witzbolde belieben zu scherzen, dass er sich längst vom Acker gemacht habe, der Kuoni. Von einer nahegelegenen Autobahnraststätte – mit dem Reiseunternehmen gleichen Namens.
Einen reisefreudigen Sommer auf die Neu-Bechburg wünscht Ihnen
                                        Ghostwriter K.07/2017

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